Klickdummy vs. High-Tech: Die zwei Gesichter des Prototyping
Je nach Projektphase und Zielsetzung bieten sich unterschiedliche Prototyping-Ansätze an. Die Kunst liegt darin, den richtigen Ansatz für die jeweilige Herausforderung zu wählen.
Klickdummy-Power: Schnelle Visualisierung mit Impact
Low Fidelity Prototyping ist ein essentieller Bestandteil der Product Discovery Phase und wird besonders im Rahmen Design Thinking-Methode eingesetzt, um erste Ideen zu skizzieren und zu validieren. Entscheidend dabei: Die Zielsetzung des Prototyps muss von Anfang an klar definiert sein. Welche konkrete Frage soll beantwortet, welche Annahme überprüft werden?
Der Low Fidelity Prototyp bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten:
- Visualisierung und Validierung von Ideen in frühen Projektphasen
- Test von Interface-Konzepten
- Überprüfung grundlegender Usability- und User Experience-Annahmen
- Stakeholder-Alignment durch greifbare Diskussionsgrundlagen
Ein besonderer Vorteil liegt in der flexiblen Gestaltung des Aufwands durch steuerbare Detailgrade:
- Verlinkte Screenshots mit interaktiven Elementen
- Einfache Klicktools für erste Konzepttests
- A/B-Versionen für Vergleichstests
- Interaktive Mockups für detaillierte Nutzerstudien
Die praktische Anwendung erfolgt häufig durch direktes Nutzertesting mit Think-Aloud-Methode. Dabei geben Nutzer*innen unmittelbares Feedback während der Interaktion mit dem Prototyp. Diese Erkenntnisse lassen sich systematisch auswerten:
- Validierung oder Widerlegung der ursprünglichen Annahmen
- Identifikation von Usability-Problemen
- Sammlung von Verbesserungsvorschlägen
- Ableitung konkreter Anforderungen für das finale Produkt
Auf Basis dieser strukturierten Erkenntnisse können fundierte Entscheidungen für die weitere Produktentwicklung getroffen werden.
Tech-Check Deluxe: High Fidelity Prototyping für komplexe Anforderungen
Wenn ein Prototyp über das User Interface hinaus tiefergehende Erkenntnisse liefern soll, kommt häufig High Fidelity Prototyping zum Einsatz. Der Fokus liegt dabei primär auf der technischen Validierung eines Konzepts:
- Überprüfung der geplanten Systemarchitektur
- Test von Datenmodellen unter realen Bedingungen
- Validierung von Schnittstellen und Integrationen
- Analyse der Performance-Anforderungen
- Evaluation technischer Abhängigkeiten
Die Umsetzung kann dabei flexibel gestaltet werden durch:
- Einsatz von Low-Code-Entwicklungsplattformen für schnelle Ergebnisse
- Entwicklung begrenzter Individualsoftware-Komponenten für spezifische Tests
- Kombination verschiedener Technologien je nach Anforderung
Eine zentrale Herausforderung liegt in der Abgrenzung zum MVP (Minimum Viable Product):
- Präzise Definition der zu klärenden technischen Fragen
- Festlegung des erforderlichen Detailgrads für aussagekräftige Erkenntnisse
- Vermeidung von Over-Engineering im Prototyping-Stadium
- Klare Markierung des Übergangs zur marktfähigen Entwicklung
Der richtige Detailgrad ist dabei entscheidend:
- Ausreichend tief für valide technische Erkenntnisse
- Fokussiert genug für effiziente Entwicklung
- Skalierbar für potenzielle Weiterentwicklung
- Dokumentierbar für nachfolgende Entwicklungsphasen
Die Erkenntnisse aus dem High Fidelity Prototyping fließen direkt in die Architekturentscheidungen und technischen Spezifikationen des finalen Produkts ein. Eine erfahrene technische Beratung ist dabei essentiell, um die richtigen Weichen für die weitere Entwicklung zu stellen.